Ze serbskego swěta  |  Aus der sorbischen/wendischen Welt

13.04.26
Ein lebendiger Frühlingsbrauch zwischen Tradition und Gegenwart

Am 12. April 2026 wurde in Cottbus zum wiederholten Mal über die Niedersorbische Kulturakademie ein besonderer Tag organisiert und gefeiert – Małe jatšy („Kleine Ostern“).

Das Frühlingsfest findet traditionell am Sonntag nach Ostern – dem sogenannten Weißen Sonntag – statt und hat sich in den vergangenen Jahren zu einem lebendigen kulturellen Ereignis entwickelt.

Ursprung des Brauchs

Die Wurzeln von „Małe jatšy“ liegen, wie bei vielen
Osterbräuchen, in christlichen Traditionen. Früher,
wie auch heute noch, war es üblich, dass innerhalb
der Familie sowie durch Paten Ostereier und kleine
Aufmerksamkeiten verschenkt wurden. Es war
jedoch für große Familien und mit weit verstreuten
Paten nicht immer möglich alle Besuche und das Über-
geben von Geschenken an den Ostertagen zu vereinen.
So kam es, dass man sich in der Woche nach dem
Osterfest mit Paten und Verwandten traf. Dieser
zusätzliche gemeinsame Ostertag diente vor allem
der Pflege sozialer Beziehungen – insbesondere
zwischen Paten und Patenkindern. „Małe jatšy“ ist
eine Tradition, die besonders die Bedeutung
von Gemeinschaft, Familie und
Patenschaften widerspiegelt.

Heute ist dieser Brauch in seiner ursprünglichen Form seltener geworden. Umso bedeutender ist das Engagement der Niedersorbischen Kulturakademie, die Kleine Ostern“ in Cottbus wieder aufleben lässt. In diesem Jahr fand das Fest bereits zum fünften Mal statt.

Zum wiederholten Mal wurde das Gelände des Bunten Bahnhofs als Veranstaltungsort genutzt – ein kreativer und offener Raum, der viele Möglichkeiten zum lebendigen Erleben von Kultur und Tradition bieten kann.

Das Programm von Małe jatšy bot auch 2026 wieder eine vielfältige Mischung aus Tradition, Kunst und Unterhaltung. Mit Liebe und Geschick organisierte Astrid Schramm einen bunten regionalen Markt, der Einblicke sowohl in Tradition, Handarbeit und Kunsthandwerk, als auch in die sorbische Welt und das sorbische Leben allgemein bot. Mitmachaktionen luden Besucherinnen und Besucher zum Ausprobieren und Entdecken ein.

Kopf und Herz gefüllt mit vielen Eindrücken, war man dann eingeladen im Festzelt beim vielseitigen Bühnenprogramm zu verweilen und die aktiv gelebte sorbische Kultur mitzuerleben. Unter der Organisation und dem Engagement von Frank Kossick, Gerald Schön und Berit Schiedlo erfüllten Musik und Tanz den Raum und sorgten für eine festliche Stimmung.

Auch Theater und Schauspiel fehlten nicht, sodass insbesondere für Kinder und Familien, unter der Leitung von Wiebke Scheler-Schulz der Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis wurde.

Fotos: Marian Küster ©

Ein Highlight war zudem die Einbindung der Kunsthalle Lausitz unter der Leitung von Heiko Straehler-Pohl. Ihre Ausstellungen waren an diesem Tag geöffnet und erweiterten das Fest um einen zusätzlichen kulturellen Raum, der zum Erkunden einlud.

Tradition neu gedacht

Małe jatšy zeigt, wie sich traditionelle Bräuche in die Gegenwart übertragen lassen. Was einst als familiärer Nachholtermin für Osterbesuche begann, ist heute ein offenes Kulturfest, das Menschen zusammenbringt, regionale Identität stärkt und sorbische Traditionen sichtbar macht.

Gerade in einer Zeit, in der Bräuche in Vergessenheit geraten, ist es umso wertvoller, solche Anlässe neu zu beleben – nicht als bloße Erinnerung, sondern als gelebte Kultur.

Am Ende darf der Wunsch stehen, dass sich das „kleine Osterfest“ auch für die kommenden Jahre im Cottbuser Kulturgeschehen etablieren kann.

Lausitz TV war vor Ort. Hier geht es zum Beitragsfilm auf Youtube:

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