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„/Die Macht der Tracht
Am 30. September 2026 wurde der vom RBB produzierte Film „Móc drastwy/Die Macht der Tracht“ im Rahmen des offenen Treffens der Ostersängerinnen und Trachtenträgerinnen in Ruben gezeigt und anschließend gemeinsam besprochen.
Rund 40 Gäste – einige sogar in Tracht – fanden sich im Veranstaltungsraum der Alten Schule ein, um den zweisprachigen Film zu sehen. Der Film nähert sich dem Thema Tracht aus unterschiedlichen Perspektiven und stellte damit auch Fragen zur Bedeutung des Tragens von Tracht, zu Identität und zur Geschichte. Im Anschluss entwickelte sich ein reger Austausch, der die unterschiedlichen Sichtweisen des Films aufgriff und weiterführte.
Nach der Begrüßung durch die Gastgeberin Anett Sischke als Vertreterin der Rubener Domowina-Ortsgruppe, die Initiatorinnen Astrid Schramm von der Niedersorbischen Kulturakademie und Diana Schuster als Mitarbeiterin der RBB-Łužyca-Redaktion begann die Filmvorführung. Bereits in den einleitenden Worten wurde deutlich, mit wie viel Herz die drei mit dem Thema Tracht und dem Tragen der Tracht verbunden sind.

Aus der Region
Im Film kommen verschiedene Menschen aus der Region zu Wort, unter anderen Trachtenträgerinnen und Trachtenträger, Trachteninterpretierende und -gestaltende, eine Fotografin, eine Social-Media-Akteurin, eine Trachtenschneiderin sowie ein Fachkundiger des Deutschen Trachtenvereins. Sie schildern ihre persönliche Sicht und ihre Beziehung zur Tracht.
Dabei wird deutlich, dass das Tragen von Tracht für viele der Interviewten weit über die Wahl eines Kleidungsstücks hinausgeht. Es steht für Verbundenheit mit der Heimatregion, mit der eigenen Geschichte und persönlichen oder familiären Traditionen. Das Tragen der Tracht wird als Möglichkeit verstanden, diese Verbundenheit sichtbar zu machen und mit anderen zu teilen. Gleichzeitig verweist der Film auf die Vielfalt der Lausitz. Die unterschiedlichen Trachten machen sichtbar, dass sich Traditionen von Ort zu Ort unterscheiden können und über die Zeit Mittel zum Ausdruck der eigenen Individualität werden konnten.
Für die einzelnen Trägerinnen und Träger kann die Tracht deshalb auch eine sehr persönliche Form des Ausdrucks sein – verbunden mit der eigenen Identität, dem eigenen Geschmack, der Freude Teil von etwas zu sein und dem Gefühl, einen Teil der eigenen Kultur zu bewahren und weiterzugeben.
Diese Perspektive wird von den Interviewten überwiegend mit großer persönlicher Wertschätzung und Stolz vermittelt. Das Tragen der Tracht ist für sie etwas Schönes, dass Gemeinschaft schaffen kann und kulturelle Traditionen sichtbar macht.
Aus anderer Perspektive
Dem steht im Film die Perspektive der Ethnologin Elsbeth Wallnöfer gegenüber. Sie betrachtet Tracht aus einer wissenschaftlichen und gesellschaftskritischen Perspektive und richtet den Blick stärker auf die historischen und gesellschaftlichen Strukturen, aus denen Kleidungstraditionen entstanden sind.
Dabei verweist sie darauf, dass Kleidung in früheren Gesellschaften auch dazu diente, soziale Zugehörigkeit und gesellschaftliche Stellung sichtbar zu machen. Bestimmte Farben, Stoffe, Muster und Schnitte konnten bestimmten gesellschaftlichen Gruppen vorbehalten sein und damit Privilegien oder soziale Unterschiede zum Ausdruck bringen. Aus dieser historischen Betrachtung heraus versteht Wallnöfer das Tragen von Tracht nicht ausschließlich als Ausdruck von Heimatverbundenheit oder kultureller Identität.
Astrid Schramm:
„Für mich ist das Tragen der Tracht und das Weitergeben des Wissens darum eine Herzensangelegenheit. Viele Trachtenträgerinnen tragen noch Teile der Trachten ihrer Mütter, Großmütter oder Urgroßmütter. Das ist für mich etwas sehr Besonderes und sehr Persönliches, die Weitergabe über mehrere Generationen. Es ist ja so auch eine besondere Art des „Upcyclings“, nur mit emotionaler Tiefe.
Besonders bedanken möchte ich mich noch beim Team des RBB und der Domowina Ortsgruppe in Ruben für die Möglichkeit, dass wir den Film an diesem Tag öffentlich präsentieren und auch gemeinsam besprechen konnten.“
Vielmehr weist sie darauf hin, dass das bewusste Tragen einer Tracht im öffentlichen Raum auch als gesellschaftliche und identitätspolitische Aussage verstanden werden kann. Entsprechend beschreibt sie eine persönliche Distanz zum Tragen von Tracht.
Diese Sichtweise setzt einen anderen Schwerpunkt als die Perspektiven der Trachtenträgerinnen und Trachtenträger. Während für diese die persönliche Verbundenheit, Freude und kulturelle Zugehörigkeit im Vordergrund stehen, richtet Wallnöfer den Blick auf die gesellschaftlichen Bedeutungen und historischen Zusammenhänge, die mit Kleidung und ihrer öffentlichen Wahrnehmung verbunden sein können.
Zwei Perspektiven im Dialog
Gerade durch diese unterschiedlichen Zugänge erhält der Film seine besondere Spannung. Auf der einen Seite steht die persönliche Erfahrung von Menschen, die Tracht als Ausdruck von Heimat, Geschichte, Identität und kultureller Verbundenheit erleben. Auf der anderen Seite steht die wissenschaftlich-kritische Betrachtung, die danach fragt, welche gesellschaftlichen Bedeutungen und historischen Strukturen mit dem Tragen von Tracht verbunden sind.
Beide Perspektiven setzen unterschiedliche Schwerpunkte und führen damit zu unterschiedlichen Bewertungen des gleichen Gegenstands. Auch beim anschließenden Austausch in Ruben wurde deutlich, dass das Thema unterschiedliche Gedanken und Fragen auslösen kann. Die gezeigten Perspektiven regten zu Gesprächen über Tradition, Identität, Geschichte und den persönlichen Umgang mit Tracht an. Gerade die unterschiedlichen Zugänge boten dabei Anlass, die eigene Sichtweise zu reflektieren, zu ergänzen oder aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Móc drastwy | Die Macht der Tracht
Łužyca
reportaža Britty Wulf a Reinera Nagla
Eine Reportage von Britta Wulf und Reiner Nagel

So wurde die Filmvorführung nicht nur zu einer Auseinandersetzung mit der „Móc drastwy/Macht der Tracht“, sondern auch zu einem offenen Austausch darüber, welche Bedeutung Tracht heute für die Menschen in der Lausitz haben kann – als persönliche Ausdrucksform, als Teil regionaler Kultur und zugleich als Gegenstand einer kritischen gesellschaftlichen Betrachtung.
Die Tracht der Lausitzer Ostersängerinnen
Die Tracht der Lausitzer Ostersängerinnen wurde vom Deutschen Trachtenverband zur „Tracht des Jahres 2026“ gekürt.
Weitere Informationen zur Tracht: Bericht vom Deutschlandfunk
Der Brauch des Ostersingens findet in den letzten Jahren wieder vermehrt seinen Platz in den Dörfern der Lausitz.
Bei diesem christlichen Brauch treffen sich die Ostersängerinnen in den vier Wochen vor Ostern und in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags und singen in ihrem Dorf gemeinsam Lieder zur Auferstehung Jesus Christus.
Bei Anregungen und Ideen für weitere, ähnliche Treffen zum Thema Tracht oder bei dem Wunsch sich nochmals zum Film auszutauschen, ausgehend von der Veranstaltung in Ruben, können sich Interessierte an Astrid Schramm von der Niedersorbischen Kulturakademie wenden.
Astrid Schramm
astrid.schramm@dompro-nl.de
0355 – 75 21 80 07
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