Jahrestagung der FUEN-Arbeitsgemeinschaft Non-Kin-State

Die Jahrestagung der FUEN-Arbeitsgemeinschaft Non-Kin-State fand vom 23. bis 26. April 2024 in Lübbenau im Spreewald/Błota statt. Vertreter von Minderheiten ohne Mutterstaat aus zehn Ländern Europas und Zentralasiens diskutierten über ihre spezifischen Herausforderungen und Chancen. Der Fokus lag auf dem wirtschaftlichen Strukturwandel und dessen Auswirkungen auf diese Minderheiten. Die sorbische/wendische Gemeinschaft thematisierte unter anderem ihre Anpassungen an digitale Veränderungen.

Logo der FUEN

Impressionen vom Treffen. Mehr finden Sie hier. (Fotos: Kornél Szilágyi für FUEN)

Ein zentraler Aspekt der Tagung war die Rolle des Tourismus für die Minderheiten. Pětr Brězan vom Verein „Sorbischer Kulturtourismus“ berichtete u.a. über kulturtouristische Initiativen, die den Strukturwandel in der Lausitz positiv beeinflusst haben. Die Sorben/Wenden sehen im Tourismus eine Möglichkeit zur Bewahrung ihrer Sprache, Kultur und Traditionen. Zudem wurden Gefahren des Übertourismus thematisiert, der die einheimische Bevölkerung in einigen Regionen verdrängen könnte.

Eine Paneldiskussion behandelte unter anderem den Strukturwandel in der Lausitz: Dr. Fabian Jacobs vom Sorbischen Institut referierte über das Ende der Braunkohlenförderung in der Lausitz als Chance für die Sorben/Wenden. Exkursionen führten zu aktiven und ehemaligen Tagebauen, um die Auswirkungen auf die Region zu verdeutlichen. Dabei wurde der Verlust von Arbeitsplätzen und die Abwanderung junger Menschen angesprochen.

Die Tagung bot auch Raum für Länderberichte, in denen die Teilnehmenden über aktuelle Themen in ihren Organisationen berichteten und Pläne für das kommende Jahr diskutierten. Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit, die Lausitzer Sorben/Wenden und ihre Kultur näher kennenzulernen. Die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den Minderheiten wurde betont, um die kulturelle Vielfalt in Europa zu erhalten.

Vortrag von Robert Engel vom Inwertsetzungsprojekt

Robert Engel vom Inwertsetzungsprojekt hielt einen Vortrag über innovative kulturtouristische Formate. Er präsentierte neue Ideen, die im Projekt in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen, verdeutlichte die Herausforderungen und Schwierigkeiten sowie die angedachten Lösungen, die im Inwertsetzungsprojekt entwickelt werden. Ein Beispiel für innovative Ansätze sind Projektionen auf Wasserwänden. Diese Formate helfen, traditionelle Bilder in die Neuzeit zu holen und neue Zielgruppen zu erschließen.

Kněz Engel thematisierte bspw. den demografischen Wandel und die alternde Gesellschaft als Herausforderungen. Nachwuchsmangel und die Übernahme von Museen stellen große Probleme dar. Ebenso die Weitergabe von Wissen. Das Inwertsetzungsprojekt plant, in den kommenden Jahren Wissen zu sammeln und den Akteuren zur Verfügung zu stellen, um Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Dieser Ansatz soll die Weitergabe von Wissen und die Unterstützung der Museen fördern. Innovative Ansätze sind notwendig, um traditionelle Kulturformate zu modernisieren und neue Besuchergruppen zu erreichen. Das Projekt zielt darauf ab, bestehende kulturelle Angebote zu verbessern und den demografischen Veränderungen entgegenzuwirken. Der Wissensaustausch zwischen den Akteuren ist ein zentraler Bestandteil des Projekts, um langfristig die kulturelle Vielfalt und das Erbe zu bewahren.

Das Inwertsetzungsprojekt war bereits im Jahr 2022 zu Gast bei der FUEN-Konferenz in Galway.

Hintergrund: FUEN

Die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) ist eine unabhängige Dachorganisation, die über 100 Mitgliedsorganisationen nationaler Minderheiten aus 36 europäischen Staaten umfasst. Gegründet wurde die FUEN im November 1949 in Versailles als Nachfolgeorganisation des Europäischen Nationalitätenkongresses (1925-1938). Erster Präsident war Charles Plisnier aus Belgien. Die FUEN hat seit 1989 einen Teilnehmenden Status beim Europarat und seit 1995 einen Konsultativen Status bei den Vereinten Nationen.

Die Ziele der FUEN umfassen die Erhaltung und Förderung der nationalen Identität, Sprache, Kultur und Geschichte der nationalen Minderheiten. Sie setzt sich für ein friedliches Zusammenleben von Mehrheitsbevölkerung und Minderheiten ein und lehnt Separatismus sowie gewaltsame Grenzverschiebungen ab. Die FUEN betont, dass die Wahrung der Identität und Kultur der Minderheiten zu einer friedlichen Entwicklung Europas beiträgt.

1967 legte die FUEN Grundsätze für ein europäisches Volksgruppenrecht vor, die sie zu einem Konventionsentwurf für die Grundrechte der Volksgruppen Europas weiterentwickelte und bei internationalen Organisationen einbrachte. Sie unterstützt die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen und die Konvention zum Schutz der nationalen Minderheiten.

Zu den Aktivitäten der FUEN gehören die Organisation von Jahreskongressen, Symposien, Stellungnahmen, Fact-Finding-Missions und die Herausgabe der Zeitschrift “Europa Ethnica”. 2006 veröffentlichte die FUEN zusammen mit der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV) die Charta der autochthonen, nationalen Minderheiten in Europa.

Non-Kin-State

Die Arbeitsgemeinschaft Non-Kin-State der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) wurde 2017 gegründet, um Minderheiten ohne Mutterstaat zu unterstützen. Sie bietet diesen Gemeinschaften eine Plattform, um ihre spezifischen Herausforderungen und Anliegen zu diskutieren, Lösungen zu finden und gemeinsame Strategien zu entwickeln. Der Fokus liegt auf dem Erhalt und der Entwicklung ihrer Sprachen und Kulturen. Die Arbeitsgemeinschaft fördert den Austausch zwischen den Mitgliedern, um voneinander zu lernen und gemeinsame Projekte umzusetzen. Aktuell gehören ihr 40 Organisationen aus 17 Ländern an, die regelmäßig zusammenkommen, um ihre kulturelle Vielfalt zu bewahren und zu stärken.

Webseite der Arbeitsgemeinschaft: https://nks.fuen.org/de/

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