Blaudruck – Ausdruck regionaler Identität
Im Sorbischen Kollektivbüro in Spremberg drehte sich am 26.02.2026 alles um ein traditionsreiches Handwerk: den Blaudruck.
Eingeladen hatten das Projektteam vom Kollektivbüro und die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur aus Cottbus. Gäste aus Spremberg und Umgebung, aber auch aus der gesamten Nieder- und Mittellausitz waren gekommen, um mehr über die Geschichte, Technik und kulturelle Bedeutung dieser besonderen Färbekunst zu erfahren.

Die Referentin Babette Zenker, ehemalige Leiterin des Dissener Heimatmuseums, führte kenntnisreich und anschaulich durch die Welt des Blaudrucks. Unter den Zuhörerinnen und Zuhörern befanden sich nicht nur kulturinteressierte Gäste, sondern auch Kenner der Materie wie Daniel Häfner oder Jörg Ackermann. Viele von ihnen brachten ganz unterschiedliche persönliche, handwerkliche oder wissenschaftliche Bezüge zur alten Färbetechnik und zu den traditionellen Mustern mit – ebenso wie zur modernen, modischen und künstlerischen Umsetzung.
In ihrem Vortrag zeichnete Babette Zenker zunächst die historischen Wege des Indigofärbens und des Blaudruckens nach. Sie erläuterte, wie der Farbstoff über Handelsrouten nach Europa gelangte und sich im Laufe der Zeit zu einer Grundlage regionaler Textiltraditionen entwickelte. Der Blaudruck verbreitete sich in verschiedenen europäischen Regionen und nahm jeweils eigene stilistische Ausprägungen an – auch in der Lausitz.
Besonders eindrücklich schilderte sie den aufwendigen Herstellungsprozess. Vom Entwurf und der Fertigung der sogenannten Model – hölzerner Druckstöcke, mit denen Muster und der sogenannte „Papp“, eine reservierende Masse, auf den Stoff aufgetragen werden – bis hin zu den wiederholten Färbegängen im Indigo-Färbebad wurde jeder Schritt nachvollziehbar erklärt. Deutlich wurde, wie viel Geduld, Präzision und Erfahrung notwendig sind, bis ein Stoff mit seinem typischen weißen Muster auf blauem Grund entsteht.
Wie komplex und zugleich faszinierend dieser Prozess ist, zeigte ein Film, der in Zusammenarbeit mit dem Heimatmuseum Dissen und dem IKE-Projekt entstand. Maßgeblich beteiligt war zudem die Blaudruckerin Frau Reppe, deren Fachwissen in die filmische Dokumentation einfloss. Der Film gewährte detaillierte Einblicke in sämtliche Arbeitsschritte – vom Anrühren der Pappmasse bis zum abschließenden Auswaschen und Trocknen der Stoffe – und machte das immaterielle Kulturerbe lebendig erfahrbar.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends lag auf der traditionellen Verwendung von Blaudruckstoffen in Kleidung und Tracht. Einzelne Stücke wurden nicht nur als Alltagskleidung getragen, sondern hatten auch festliche und identitätsstiftende Funktionen innerhalb der sorbischen/wendischen Kultur. Darüber hinaus spannte Babette Zenker den Bogen in die Gegenwart: Sie stellte Projekte des 20. und 21. Jahrhunderts vor, in denen Blaudruckstoffe künstlerisch neu interpretiert oder modisch transformiert wurden. So zeigt sich, dass das historische Handwerk keineswegs museal erstarrt ist, sondern immer wieder zeitgemäße Ausdrucksformen findet.
Der Vortrag machte deutlich, dass Blaudruck weit mehr ist als eine alte Färbetechnik. Er ist Ausdruck regionaler Identität, handwerklicher Meisterschaft und kultureller Kontinuität. Der Abend im sorbischen Kollektivbüro Spremberg bot nicht nur fundiertes Wissen, sondern auch lebendigen Austausch zwischen Expertinnen, Experten und Interessierten – und weckte bei vielen die Begeisterung für ein Handwerk, das Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise verbindet.
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